Die Jahre 1965 bis 1970

Die zweite Hälfte der 1960er Jahre waren geprägt von einigen größeren Branden und besonders viel Eis im Hachinger Bach. 1966 feierte die FF München ihr 100-jähriges Bestehen.

1. Juli 1965 – Der neue Oberbranddirektor

Am 31. Mai1965 trat Oberbranddirektor Otto Mehltreter, der seit dem 1. Januar 1960 Chef der Berufsfeuerwehr war, in den Ruhestand.

Das Jahr 1965 war insofern auch ein Wendepunkt bei der Freiwilligen Feuerwehr München, als am 1. Juni 1965 Baudirektor DipI.-Ing. KarI Seegerer Leiter der Städt. Branddirektion wurde. Entscheidend für diese Zeit war vor allem, dass nicht nur die Ausrüstung verbessert wurde, sondern insbesondere die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr einen besonderen Stellenwert bekam und auch eine bedeutende Verbesserung erfuhr.

Zur Verbesserung der Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr beauftragte Kommandant Ostermeier den Oberlöschmeister Reuter von der Löschgruppe Großhadern mit der Durchführung der Ausbildung innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr München. Gemeinsam mit dem Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Städt. Branddirektion, Herrn Baurat Schläfer, wurde ein Plan für die künftige Ausbildung innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr erstellt.

So wurden für alle Dienstgrade und Dienstgradanwärter schon in den Monaten Januar 1965 bis April 1965 Schulungsabende eingeführt, zu deren Durchführung sich auch Beamte der Berufsfeuerwehr, vor allem Herr Baurat Schläfer zur Verfügung stellten. Die Themen des jeweiligen Unterrichts waren dann auch das Thema für den folgenden Unterricht in den Löschgruppen. Diese Unterrichte wurden im Winterhalbjahr 1965/66 weitergeführt und sind seither eine ständige Ausbildungsveranstaltung bei der Freiwilligen Feuerwehr München.

Nachdem an der Landesfeuerwehrschule Regensburg nicht genügend viele Lehrgangsplätze zur Verfügung standen, wie sie allein für die Dienstgradanwärter in München gebraucht wurden, wurde im Einvernehmen mit der städtischen Branddirektion vom 23. Oktober 1965 bis 14.Mai 1966 ein eigener Dienstgradanwärterlehrgang durchgeführt. Darin wurden die Themen, welche an der „LandesfeuerwehrschuIe“ gelehrt werden, theoretisch und praktisch, jedoch abgeändert auf die speziellen Verhältnisse in München, behandelt.

Die seit 1959 jährlich durchgeführten Schulung der Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen wurde 1966 erweitert und so bis in die heutige Zeit beibehalten.

1966 wurde vom Kommando angeordnet, dass in jeder Löschgruppe monatlich eine Übung oder ein Unterricht durchgeführt werden muss. Die jeweiligen Themen für die Unterrichte oder Übungen wurden vom Kommando vorgegeben, mit dem Ziel, für die gesamte Freiwillige Feuerwehr München einen gleichen Ausbildungsstand zu erreichen.

Allen Hauptbrandmeistern und Löschgruppenführern stand es natürlich frei, zusätzliche Übungen oder Unterrichte durchzuführen. Die bisher übliche Regelung von vier Übungen im Frühjahr und im Herbst war damit abgeschafft. Mit dieser verstärkten Ausbildung innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr war natürlich die Belastung der einzelnen Feuerwehrmänner und vor allem der Dienstgrade erheblich gestiegen und es war verwunderlich, dass trotzdem die Zahl der aktiven Mitglieder sich nicht verringerte sondern sogar zunahm. Neben dieser reinen Feuerwehrausbildung mussten ja auch noch fünf Unterrichte und Übungen für den Luftschutz-Branddienst absolviert werden.

Die Büroräume und die Bekleidungskammer der Freiwilligen Feuerwehr befanden sich ab 1. Februar 1965 in der Feuerwache 7, Moosacher Straße 28, nachdem das Gebäude in der Ganghoferstraße 54, in dem bisher Büro des Kommandos und Bekleidungskammer untergebracht waren, für die zukünftige Feuerwache 8 (Ausstellungswache) der Berufsfeuerwehr umgebaut wurde. Jedoch schon am 14. August 1965 wurde das Kommando und die Bekleidungskammer in die neuen Räume Ganghoferstraße 4/I verlegt.

Im Oktober 1965 wurden aus den Beständen des LS-Brandschutzes weitere Feuerwehrfahrzeuge ausgeliefert, die nicht alle in die vorhandenen Gassen der Gerätehäuser unterstellt werden konnten. Aus diesem Grund wurde vom Kreisverwaltungsreferat eine Reihe von Garagen angemietet.

Im Zuge der Ausbildung im LS-Branddienst werden zusätzliche Unterrichte eingeführt.

25. und 26. Juni 1966 – 100 Jahre FF München

Die Freiwillige Feuerwehr feierte an diesem Wochenende ihr 100-jähriges Jubiläum.

Bereits im Vorfeld am 23. März 1966, fragte die Vorstandschaft der FF München beim amtierenden Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel die Schirmherrschaft für dieses Jubiläum an. Der OB nahm diesen Antrag bereits fünf Tage später an. Zudem übersendete er sein Grußwort für die Festschrift.

OB Vogel hatte eine besondere familiäre Beziehung zur Feuerwehr München, handelte es sich doch bei unserem Gründer Arnold Zenetti, um seinen Urgroßonkel mütterlicher Seite.

Dem Direktorium der Stadt teile die Vorstandschaft auch den Veranstaltungsablauf mit:

25.06.1966 abends:

  • 20:00 Uhr im Löwenbräukeller - Kameradschaftsabend

26.06.1966 vormittags:

  • 08:00 Uhr Auffahrt auf der Theresienwiese
  • 08:30 Uhr Festgottesdienst in der Paulskirche und anschließend
  • 10:00 Uhr Festakt im kleinen Kongresssaal der Ausstellung

Der Festabend im Bürgerbräukeller wurde mit vielen Münchner Künstlern „humoristisch“ begleitet, zu der auch die Spitzen der Berufsfeuerwehr erschienen war.

Am Sonntag den 26. Juni 1966 erfolgte die Aufstellung der gesamten Freiwilligen Feuerwehr München, mit Ihren 30 Löschfahrzeugen auf der Theresienwiese. Nach dem Festgottesdienst in der Kirche St. PauI ging es in einem feierliche Zug mit der gesamten Mannschaft der FF München und seinen Gästen auf das Messegelände, wo im kleinen Kongresssaal der feierliche Festakt stattfand.

Die musikalische Gestaltung des Festzuges und des Festaktes wurde von der Kapelle des Bundesgrenzschutzes durchgeführt. Die Festansprache hielt im Beisein von zahlreichen Ehrengästen vom Innenministerium, Regierung von Oberbayern, Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz, Stadtverwaltung und der städtische Branddirektion – die, so der Chronist besonders zahlreich erschienen war, der Kommandant und Vorstand der FF München Georg Ostermeier.

Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel überreichte bei seiner Ansprache Kommandant Ostermeier als Ehrengeschenk das „Münchener Kindl in Porzellan" und überreichte die staatl. Ehrenzeichen für 50, 40 und 25-jährige Dienstzeit, einigen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.

Baudirektor Dipl.-Ing. Karl Seegerer, überbrachte die Glückwünsche der städtischen Branddirektion und überreichte das erste Fahrzeugfunkgerät „FuG 7a“ an die Freiwilligen Feuerwehr. Brandmeister Heinrich Reuter, nahm dieses Gerät für die Löschgruppe Großhadern in Empfang.

Damit begann auch die Einführung des Fahrzeugfunks bei der Freiwilligen Feuerwehr München, der allerdings erst Ende 1969 bei allen Löschgruppen abgeschlossen war.

1966 - Der Berg brennt – erneut!

1966 forderte der Münchner Müllberg wieder die Feuerwehr München heraus. Neben den vielen Einsätzen, die die Berufsfeuerwehr vornehmlich mit der Feuerwache 7 abarbeitet, rückten auch die Freiwillige Feuerwehr zu ausgedehnten Bränden mit aus.

Insgesamt 83 mal mussten die Freiwilligen im Jahr 1966 raus zur Mülldeponie nach Großlappen. Es blieb eigentlich keine Löschgruppe von einem Einsatz „am Berg“ verschont, jede durfte mal zur Ablöse nach Großlappen ausrücken.

1. Oktober 1966 - Großbrand Bauernhof in Langwied-Lochhausen

Um 15:25 Uhr meldete die Autobahnmeisterei West eine große Rauchsäule nahe der Autobahn an der Birkenrieder Straße. Auch über Polizeifunk wurde dieser Brand gemeldet.

Die Berufsfeuerwehr entsendete daher von Feuerwache 6 das TroTLF 16 und die Drehleiter zum Brandort. Von der Hauptwache wurde der Überlandlöschzug mit TLF 16 T, LF 16 TS, SW 2000 mit dem Funkkommandowagen und Florian 10 und 2 in Marsch gesetzt.

Eine Alarmierung der Löschgruppe Lochhausen und Langwied konnte nicht durchgeführt werden, da zu diesem Zeitpunkt ein kompletter Ausfall der Telefonleitung in diesem Gebiet herrschte. So ist es zumindest dem Alarmbuch der Branddirektion zu entnehmen.

Beide Löschgruppen rückten aber selbstständig zum Einsatzort aus. Mit den Besitzern zusammen wurden die letzen 14 der 39 Jungstiere gerettet. Ebenfalls zum Selbsteinsatz, rückte die FF Gröbenzell an, die in unmittelbarer Nähe des Brandortes die Rauchsäule entdeckt hat.

Nach Ankunft der BF wurden die ersten 2 C-Rohre vorgenommen und das LF 16 der FW 6 zusätzlich angefordert und ein weiteres C-Rohr und 2 B-Rohre vorgenommen. Nachdem alle Tier gerettet wurden und insgesamt 2 B- und 7 C-Rohre im Einsatz waren, konnte bereits um 15:53 Uhr „Feuer in Gewalt“ gemeldet werden.

Da aber die Nachlöscharbeiten sich als äußerst kraftanstrengend und langwierig darstellten, wurden der Küchenwagen und weitere Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr zum Brandplatz beordert:

16:28 Uhr die LG Allach mit 1/3 - LG Großhadern mit 1/10 und die LG Obermenzing, die allerdings nicht Ausrücken konnte.

Zwei Frauen wurden mit Rauchgasvergiftung jeweils von der Polizei und dem URW (Unfallrettungswagen) ins Krankenhaus Perlach gefahren, zudem wurden weitere Dunghaken angefordert.

Um 18:31 Uhr erfolgte eine weitere Ablösung mit zwei Gruppen der BF (jeweils ein LF der FW 5 und 7) und um 19:10 Uhr kam die LG Aubing mit 1/12 zur Ablöse. Gegen 21:50 Uhr wurde die LG Moosach mit 1/7 und Feldmoching mit 1/7 alarmiert. Um 22:33 Uhr nochmals die BF mit dem TroTLF und er DL der FW 4 und ein Kombi mit Personal zur Ablöse von der FW 5. Zudem 2 Mann, für den für den Eigenschutz vor Ort stehenden URW.

Der Einsatz zog sich über die ganze Nacht, daher wurden um 00:48 die LG Ludwigsfeld und Solln zur Ablöse alarmiert und um 02:28 Uhr das TroTLF + DL der FW 2. Die letzte Ablöse erfolgte um 04:09 Uhr mit der Löschgruppe Forstenried mit 1/8 und Obermenzig kam nun mit 2/1 zum Selbsteinsatz.

Um 07:54 Uhr konnte endlich „Feuer aus“ gemeldet werden.

Insgesamt war die Freiwilligen Feuerwehr München mit 11 Löschgruppen und 95 Mann im Einsatz, der die Kräfte 17 Stunden beschäftigte.

Eine weitere Besonderheit diese Einsatzes: Der Fotograf der Branddirektion hat insgesamt 102 Aufnahmen über diesen Einsatz dokumentiert. Das waren drei Kleinbildfilme mit je 36 Aufnahmen. Für die damalige Zeit ein fast schon skandalöser „Negativbildverbrauch“! Zudem hat der Fotograf sogar eine kleine Serie von drei Bildern kurz hintereinander „geschossen“. Auch das war zu dieser Zeit nicht unbedingt üblich, denkt man nur an das heutige Biltzlichtgewitter, bei einem entsprechenden prominenten Fotomotiv.

Zum Vergleich: für das Jubiläum drei Monate zuvor wurden gerade mal zwei dieser Rollfilme über zwei Veranstaltungstage verbraucht.

Dezember 1966 - Veränderung bei der FF München und ein Todesfall

Am 12.12.1966 wurde Stadtbrandinspektor Michael Wislsperger im Ostfriedhof beerdigt. Neben den Spitzen der Städt. Branddirektion, waren von allen Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr München Abordnungen vertreten, Kommandant Ostermeier hielt die Traueransprache.

Am 31.12.1966 beendete aus Altersgründen der Hauptbrandmeister und Kdt.-Stellvertreter Hans Keller seinen Dienst bei der Feuerwehr München. Als sein Nachfolger für den „Hauptbrandmeisterbezirk SÜD“ wurde Brandmeister Heinrich Reuter ernannt.

26. Februar 1967 - Jahreshauptversammlung der FF München

Auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr München, wurde Brandmeister Reuter zudem zum neuen Kommandanten-Stellvertreter der FF München gewählt.

Der ehem. Kdt.Stv. HBM Hans Keller wurde zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt aus der Hand, vom zwischenzeitlich zum Oberbranddirektior ernannten Karl Seegerer, das Feuerwehrzivilabzeichen in Gold.

Da der Verein der Freiwilligen Feuerwehr München das Ziel verfolgte, als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden, musste die Satzung geändert werden. Ein gemeinsamer Entwurf zusammen mit der Städt. Branddirektion wurde vorgelesen. Da es aber Einwendungen gab, wurde das Thema vom Vorstand vertagt und man bildete einen Ausschuss zur Ausarbeitung der neuen Satzung.

24. September 1967

Um 02:43 Uhr rückte die FW 6 und 1 mit Ihren Löschzügen und Florian 1.11 zu einem, durch mehrere Anrufe und der Polizei gemeldeten Feuer, in einer Lagerhalle nach Pasing in den Haidelweg aus.

Bei Ankunft der FW 6, stand die Baracke in voller Ausdehnung und der Einsatzleiter erhöhte auf Alarmstufe 4. Neben den Wachen 2 und 3 rückte die Löschgruppe Großhadern mit zwei Fahrzeugen nach Pasing.

Nachdem Florian 3 (Branddirektor Brandl) die Einsatzstelle übernommen hatte, erhöhte dieser auf Alarmstufe 8. Weitere Fahrzeug der Berufsfeuerwehr wurden in Marsch gesetzte und zusätzlich die Löschgruppen Aubing und Obermenzig alarmiert. Aubing rückte mit Ihrem TLF 16 mit 1/5 an und Obermenzing mit zwei Fahrzeugen mit 14 Einsatzkräften.

Im Laufe des Einsatzes, wurde Kdt.-Stellv. Reuter durch ein explodierendes Bitumenfaß verletzt. Zudem wurde  der Oberfeuerwehrmann Gradl, von der Lgr. Obermenzing, wurde durch einen herabstürzende Balken schwer verletzt. Ein Unfall ereigneten sich gegen 03:31 Uhr, hier wurde lt. Alarmbuch der Notarzt angefordert und der zweite vor 05:04 Uhr. Hier wurde im Alarmbuch dokumentiert, dass ein weiterer Transport durch den Notarztwagen in die Poliklinik durchgeführt wurde.

Am nächsten Tag wurden noch die Löschgruppe Langwied und Lochhausen für Aufräumungsarbeiten an die Einsatzstelle beordert.

12. Oktober 1967 - Die neue Feuerwache Süd wird eingeweiht

Bei der neuen Feuerwache 2 - SÜD in der Aidenbachstraße 7 handelte es sich um eine Feuerwache der Berufsfeuerwehr, die die inzwischen vollkommen veraltete Wache von 1904 ersetzte. Die neue Zugwache, beherbergt aber auf Ihrem 1,8 ha großen Areal auch die Feuerwehrschule, die auch die FF München bis heute nutzt.

Die dort neugeschaffene Feuerwehrschule mit der großen Übungshalle bietet für die Ausbildung gerade zu ideale Möglichkeiten und ist seither an fast allen Abenden, von übenden Gruppen oder durch Lehrveranstaltungen von der Freiwilligen Feuerwehr belegt.

Anfang 1968 wurden dann damit begonnen, die bisher in den einzelnen Löschgruppen durchgeführte Grundausbildung, zentral in der Feuerwehrschule mit einem Grundlehrgang in Abendstunden und Wochenendtermine, durch die Freiwillige Feuerwehr durchzuführen. Den Abschluss bildete die erfolgreiche Ablegung der Leistungsprüfung Stufe I, gemäß den Richtlinien des Bayer. Landesamtes für Feuerschutz.

Diese Regelung besteht bis heute noch. So erhält jede Münchner Feuerwehrfrau und- mann, auf der Feuerwehrschule in der Aidenbachstraße seine Grundausbildung. Heute in einzelne Module aufgeteilt und erst nach erfolgreicher Prüfung, kann Sie oder Er als Feuerwehrkraft in München eingesetzt werden.

Januar 1968 - Eine ungewöhnliche Kältewelle hält die Feuerwehr München in Griff

Schon seit Tage musste die Berufsfeuerwehr München im Januar des Jahres 1968, mehrfach zu „Fahrbahn vereist“ mit dem Sandstreu-LKW ausrücken. Auch viele Löcher in geplatzten Fahrbahnen und Rohrbrüchen, verzeichnete das Alarmbuch in diesen ersten Tagen des Jahres.

Auch der viele Schnee bereitete der Feuerwehr Arbeit, so stürzte am 7. Januar 1968 das Dach einer Maschinenhalle in der Rathenauer Straße ein. Eine Traglufthalle am Sendlinger-Tor-Platz, musste in einem achtstündigen Einsatz vom vielen Schnee befreit werden. Zudem musste ein festgefahrener Bus und ein Schneepflug aus deren Notlage befreit werden und sogar eine eingefrorene Wildente wurde aus dem Nymphenburger Schlossteich befreit.

Die prekäre Kaltfront brachte auch die Münchener Straßenbahn immer mehr in Bedrängnis. Nicht nur normale Trams entgleisten, immer wieder muss die Berufsfeuerwehr sogar raus und den entgleisten Tram-Schneepflug wieder in seine Gleise setzten.

Ab dem 10 Januar 1968 kam ein weiteres Alamstichwort hinzu „Eiszapfen droht zu fallen“! Mehrfach mussten die Drehleitern der Berufsfeuerwehr zu Häusern im Stadtgebiet ausrücken und die Gefahr für die Fußgänger beseitigen.

12. Januar 1968 - Eigentlich einen harmloser Einsatz - der Tag an dem der Hachinger Bach zufror!

Nach tagelangem Frost fror am 12. Januar bei einer anhaltenden Temperatur von -18° C, sogar in Perlach der Hachinger Bach zu. Das nachfließende Wasser drohte ganz Altperlach zu überschwemmen.

Um 17:16 Uhr rückte die Feuerwache 5 mit dem Alarmvorfahrwagen Florian 15 und dem Löschfahrzeug LF 16 nach Altperlach aus, um die Gefahr der Überschwemmung zu beseitigen. Nach Ankunft und der ersten Beurteilung der Lage, wurden um 17:36 Uhr, vier Wasserhosen und ein Auftaugerät angefordert, das von der Feuerwehrwache 5 mit einem Kombi an die Einsatzstelle gebracht wurde.

Um 18:15 Uhr gab es noch eine einfache Rückmeldung „Brücke von Eispfropfen mit Hilfe eines B-Rohres befreit, der untere Teil wird noch gesäubert - Arbeitszeit unbestimmt“.

Um 18.54 Uhr rückte Florian München 11 mit Baurat Schläfer zur Einsatzstelle aus. Unmittelbar nach seiner Ankunft gab Schläfer die Rückmeldung: „Sämtliche verfügbare Schaufeln zum Einsatzort senden. Bach muss ab Zehntfeldstraße gesperrt werden. 100 Mann der FF alarmieren. Sämtliche verfügbaren Wasserhosen und Küchenwagen zur Einsatzstelle senden“.

Daraufhin eilten 13 Löschgruppen der FF München, mit 103 Mann zur Einsatzstelle „Altperlach“.

Mit Schaufeln bewaffnet versuchte nun die Mannschaft den Hachinger Bach von seinen Eismassen zu befreien. Gegen 20:05 Uhr, wurden weitere drei Löschgruppen mit 21 Mann nachalarmiert. Um 21.09 Uhr traf der GRW (Großrettungswagen), zum Aufwärmen der ersten erschöpften Einsatzkräfte, mit Trainingsanzügen und Wollkleidung ein. Der Küchenwagen gab bereits seit einer Stunde heißen Tee zum Aufwärmen aus.

Im Laufe des Abends arbeiteten die Männer unermüdlich, um den Hachinger Bach von den Eisschollen zu befreien. Um letztendlich eine Überschwemmung von Altperlach zu verhindern. Kurz vor Mitternacht wurden die letzen vier Löschgruppen der FF München, mit nochmals 34 Mann zu Einsatzstelle beordert und kurz nach Mitternacht weiter zwei Gruppen der BF. Insgesamt kämpften nun fast 185 Mann, gelegen die Eisfluten.

Nachdem die Lage weiterhin unklar war und die ersten Kräfte ersetzt werden mussten, forderte Baurat Schläfer nun Kräfte der Bereitschaftspolizei an, die damals noch kommunal unterstellt war. Mit insgesamt 113 Mann, rückte die Bereitschaftspolizei zwischen 02:10 Uhr und 03.05 Uhr aus Ihren Unterkünften an. Zur Verstärkung und Führung der Polizei, wurden von der Wache 1 und 3 jeweils ein TroTLF 16 entsendet.

Die meisten Kräfte der FF München rückten zwischen 01:00 Uhr und 03:00 ein. Als letzte Löschgruppen lösten Solln und Riem ihre Wachalarmierung auf. Diese waren nach Ihrem Einsatz bis 01:00 Uhr in Perlach noch auf Reserve in Ihren Gerätehäusern stationiert.

Gegen 05:24 Uhr meldete der Baurat Schläfer nach über 12 Stunden Einsatzdauer: „Gefahr vorüber“. Um 08:25 Uhr verließ, das in Bereitstellung stehende TroTLF 16 der Wache 1, den Einsatzort. Nachdem das Wasserwirtschaftsamt  die Bereitstellung der BF, als nicht mehr erforderlich ansah.

Das Besondere an diesem Einsatz war, dass es sich nicht nur um den zweiten „Vollalaram“ der FF München nach den II. WK handelt, sondern dass die FF München diesmal am Anfang die eigentlich „Manpower“ stellte.

Schläfer orderte nicht weitere Gruppen der Berufsfeuerwehr an, sondern 100 Mann der Freiwilligen Feuerwehr München. Hintergrund war vermutlich die seit zwei Jahren enge Zusammenarbeit zwischen Schläfer mit HBM Reuter von der FF München im Bereich der Ausbildung für die Kräfte der FF.

Die Freiwilligen konnten nach den schwierigen Anfängen der Nachkriegsjahre, nun zeigen dass sie „auf Knopfdruck“ uneingeschränkt einsatzbereit war.

Ab den 13./14. Januar 1966, setzte in München nun wohl Tauwetter ein. Laut Alarmbuch mehrten sich nun die Einsätze mit: „Wassereinbruch“ - „Wasser dringt in Keller - „Dachrinne enteisen“ - „Unterführung unter Wasser“.

10. März 1968 – Turnusgemäße Kommandanten-Neuwahlen

Nach 10 Jahren als Kommandant der FF München schied Georg Ostermeier altersbedingt aus dem aktiven Dienst aus und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Da turnusgemäß auch Neuwahlen anstanden wurde auf der Jahreshauptversammlung die Wahl der Vorstandschaft durchgeführt.

  • Vorstand u. Kommandant: HBM Ing.(grad.) Heinrich Reuter
  • Vorstand u. Kommandant-Stellvertr.: HBM Ing.(grad.) Karl Stich
  • Schriftführer: OBM Carl Kiening
  • Kassier: FM Walter Fischer
  • Oberzeugmeister LM Karl Wähler
  • Revisoren: OBM Josef Promoli und OBM Jans Kneidl

Als erste grundlegende Änderung, erfolgte eine Neuorganisation der „Hauptbrandmeisterbereiche“ mit Wirkung zum 24. April 1968. Die bisher bestehenden vier Hauptbrandmeisterbezirke wurden nun in sechs Bereiche umwandelt. Die Führer eines jeden Bereichs wurden zu Bereichsführer ernannt. Da man die Bereiche nicht wieder durchnummerieren wollte, wurden aus dem Osten, OST I und OST II und dem Westen, WEST I und WEST II.

Diese Änderung war nötig für die LS-Feuerwehrbereitschaften, da man nun 6. Bereitschaften bilden konnte.

Bereich Nord:

  1. Bereichsführer: Kdt.Stellv. Stich
  2. Lgr. Feldmoching
  3. Lgr. Harthof
  4. Lgr. Freimann

Bereich Ost I:

  • Bereichsführer: Hbm Hengstberger
  • Lgr. Oberföhring
  • Lgr. Riem
  • Lgr. Trudering

Bereich Ost II :

  • Bereichsführer: Hbm Pöttinger
  • Lgr. Waldtrudering
  • Lgr. Michaeliburg
  • Lgr. Perlach
  • Lgr. Waldperlach

Bereich Süd:

  • Bereichsführer: Ob Piehler
  • Lgr. Solln
  • Lgr. Forstenried
  • Lgr. Großhadern

Bereich West I :

  • Bereichsführer: Hbm. Wäsler
  • Lgr. Aubing
  • Lgr. Obermenzing
  • Lgr. Lochhausen
  • Lgr. Langwied

Bereich West II:

  • Bereichsführer: Olm. Zacherl
  • Lgr. Allach
  • Lgr. Moosach
  • Lgr. Ludwigsfeld

Aber es blieb nicht nur bei dieser Änderung. Als neuer Kommandant setzt Reuter viele bereits angestoßene Idee der Ausbildung nun konsequent um. Hierbei halfen Ihm seine bereits guten Kontakt zur Branddirektion, die er sich in seiner Zeit als Ausbildungsverantwortlicher der FF München aufgebaut hat.

10. Juli 1968 - Gesetz über die Erweiterung des Katastrophenschutzes tritt in Kraft

Mit diesem Gesetz wurde die Organisation der zivilen Hilfsdienste auf eine neue Basis gestellt. Künftig gab es nur einen einheitlichen Katastrophenschutz, der alle Aufgaben der Katastrophenabwehr, sowohl im Frieden, als auch im Verteidigungsfall wahr genommen hat.

In diesen einheitlichen Katastrophenschutz, wirken die öffentlichen Katastrophenschutzorganisationen, wie Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und der Bundesverband für den Selbstschutz mit. Aber auch private Organisationen, die hierzu geeignet und zur Mitarbeit bereit waren, wie das Bayerische Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter Unfall Hilfe und der Arbeiter Samariter Bund.

Für die erforderliche zusätzliche Ausrüstung der Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes, kam der Bund auf. Für wehrpflichtige Helfer, die sich mit Zustimmung des Kreisverwaltungsreferats, gegenüber ihrer Organisation auf mindestens zehn Jahre zum Dienst im Katastrophenschutz verpflichteten, bestand die Möglichkeit zur Freistellung vom Wehrdienst.

Die bisher aufgestellten Einheiten des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD), wurden in den erweiterten Katastrophenschutz eingeordnet.

Diese Erweiterung des Kat.schutz, eröffneten der Freiwilligen Feuerwehr München neue Möglichkeiten. Neben der Rekrutierung von Feuerwehrpersonal, durch die „Freistellung vom Wehrdienst“, wurden zudem Fahrzeuge vom Bund, für den Brandschutzdienst zur Verfügung gestellt.

Das Besondere an den „Bundfahrzeugen für die Feuerwehr“ war, dass es es nur zwei Fahrgestelle gab. Einmal das 10 t. Fahrgestell auf Magirus Deutz Mercur 125A und das 5,0 to. Fahrgestell, auf Unimog S404.01. Die hoch geländefähigen Fahrgestelle wurden mit einheitlichen Aufbauten versehen.

Obwohl von diversen Aufbauherstellern (z. B. Rathgeber - Magirus - Metz u.s.w.) für verschiedenen Zwecke (Tanklöschfahrzeug, Löschgruppenfahrzeug und Schlauchwagen) gebaut, konnten die Aufbauten mit einem Kran vom Fahrgestell abgenommen werden und auf ein anderes Fahrgestell aufgesetzt werden.

Das ganze System war durchdacht und für den K- sowie für den V-Fall bestens geeignet. Die Entwicklung für diese einfache und wechselbare Ausführung der Kat.-Schutz-Fahrzeuge, wurde aus den Erfahrungen und Erkenntnissen des Luftschutzes im II. Weltkrieg geboren.

1968 wurden weitere sieben Fahrzeuge (TLF 16 und LF 16 TS) vom Bund für die FF München zur Verfügung gestellt, die auch für die zivilen Einsätze genutzt werden konnten. Da das Konzept vom Bund, auch den Einsatz von Atemschutzgeräten vorsah, hielt dieser auch Einzug bei der FF München.

Insgesamt hatte München 6. Feuerwehrbereitschaften des Katastrophenschutz und verfügte über 6 Fukow, 6 TLF 16, 10 SKW, 17 LF 16 TS und 43 TLF 8 LS. Lediglich bei den VLF hatte München nur 2 Stück. Diese wurden aber im Zuge der Neustrukturierung zu HRW (Hilfsrüstwagen) umgebaut.

Aber der Umgang mit diesen neuen Fahrzeugen und Geräteschaften, musste auch vermittelt werden. Da Kurse diesbezüglich auf den Landesfeuerwehrschulen Regensburg und Würzburg, bzw. der ehm. Luftschutzhilfsdienst, jetzt Katastrophenschutzschule in Geretsried Mangeware waren, behalf sich die Freiwilligen Feuerwehr München selbst.

Die Feuerwehrschule in der Aidenbachstraße verfügte über eine moderne Atemschutz-Übungsstrecken, die der Ausbildung der Feuerwehrkräfte der BF diente. Daher könnte die Ausbildung für die Kräfte der FF München auch in Eigenregie übernommen werden. Der erste Lehrgang für die zukünftigen Ausbilder im Atemschutz wurde in der Zeit vom 15. September 1969 bis 13. Oktober 1969, in der Feuerwehrschule durchgeführt.

Am 20. Januar 1970 begann dann die Regelausbildung von Atemschutz-Geräteträgern. Bis Ende 1970 wurden  insgesamt drei Atemschutz-Kurse, für und durch Kräfte der FF München durchgeführt.

In den Folgejahre wurden regelmäßig mindesten zwei Atemschutz-Kurse pro Jahr angeboten. Letztendlich führte dies sogar zur Pflichtausbildung, für kommenden Generationen von Feuerwehrmänner und später natürlich auch Feuerwehrfrauen. Ohne eine Ausbildung zum Atemschutz-Geräteträger, war kein aktiver Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr München möglich.

Quellenhinweise

  • Heinrich Schläfer: Die Münchner Feuerwehr, 1979
  • Hans-Joachim Profeld: Die Feuerwehr München und ihre Fahrzeuge bis in die 60er Jahre, 1997
  • Stadtbrandinspektor a.D. Dipl.-Ing. Heinrich Reuter: Chronik der FF München, 1991
  • StdA-M: Abg. BRA-74/2-Nr. 469 - Alarmbuchbuch
  • StdA-M: Abg.DE-1992-DIR-ZR-725

Bildnachweis

  • Pressestelle der Branddirektion München 
  • Stefan Eschenbeck, München

Danksagung

  • Der Pressestelle der Branddirektion München für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial
  • Dem Stadtarchiv München (StdA-M) für die zur Einsicht gestellten Archivalien und Bildmaterial

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