5.000 Begeisterte beim Jubiläums-Sommerfest der Sendlinger Feuerwehr

Am 22. Juni 1869 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Sendling. Fast auf den Tag genau 150 Jahre später feierten die Sendlinger Floriansjünger ihren runden Geburtstag mit einem außergewöhnlichen Fest.

Ein kurzweiliges Programm erwartete die Besucher beim Jubiläums-Sommerfest unter dem Motto „Sommer – Sonne – Feuerwehr“ im Münchner Westpark. Zum Auftakt traf sich die Spitze der Sendlinger Feuerwehr mit vielen Ehrengästen zunächst im Biergarten zum Weißwurstfrühstück.

Eröffnung und Bühnenprogramm

Gemeinsam mit einem Motorrad der Sendlinger Kradstaffel zogen die Chefs der Abteilung Sendling in das Festgelände ein. Als Sozius mit dabei: Margarethe Stadlbauer, die als Moderatorin durch das gesamte Programm des Jubiläums-Sommerfestes führte.

Bernhard Meßmer, Abteilungskommandant der Abteilung Sendling, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte alle anwesenden Gäste. Neben den Ehrengästen aus Politik, der Landeshauptstadt München und der Feuerwehr sowie weiterer Organisationen erwähnte Meßmer besonders die Kameradinnen und Kameraden aus der FF Bayersried-Ursberg-Premach, die extra für dieses Fest mit ihrem Löschgruppenfahrzeug die 120 km lange Reise nach München antraten. Ein Fahrzeug, das bis 2010 in der Abteilung Sendling stationiert war. „Wir wollen heute aber nicht nur mit Feuerwehrkameraden feiern, sondern wollen auch den Bürgern Münchens etwas besonderes bieten!“ betonte Meßmer.

Den Auftakt bei den Ehrengästen machte Michael Kuffer, Mitglied des Bundestages und des Münchner Stadtrats. Er fand in seiner Rede lobende Worte über das Engagement in der Feuerwehr. „Unsere Feuerwehrleute sind nicht nur Leistungsträger, sondern vor allem auch Vorbilder – für Mut, für Verantwortung, für Hilfbereitschaft, für Opferbereitschaft und für Kameradschaft.“ so Kuffer. Und weiter direkt an die Abteilung Sendling gerichtet: „Alles Gute für diese tolle Abteilung, die in der Münchner Feuerwehr mit der IuK-Gruppe und der Motorradstaffel wichtige und hochspezialisierte Aufgaben übernimmt.“

Ebenfalls als Ehrengast eingeladen war der leitende Branddirektor und stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr München Jörg Fiebach, der mit seiner Rede anschloss. Zunächst ging er auf aktuelle Einsatzereignisse ein. „Nur durch die Abteilung Sendling“, so Fiebach, „und durch die weiteren Abteilungen der FF München kann den Münchner Bürgerinnen und Bürgern, wie zum Beispiel beim jüngsten Hagelunwetter im Nordwesten München, eine derart schnelle und flächendeckende Hilfe zur Verfügung gestellt werden.“. Ebenfalls hob er die gute Zusammenarbeit zwischen der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr hervor. „Die Berufsfeuerwehr München wünscht sich weiterhin mit der Feuerwehr Sendling einen professionellen Partner an seiner Seite und dass sie auch für eine erfolgreiche Zukunft die notwendigen Rahmenbedingungen vorfindet.“ so Fiebach.

Rupert Saller, Stadtbrandrat und Kommandant der FF München, brachte es im Anschluss auf den Punkt, in dem er die Frage stellte: „286 Einsätze – ist das für Ehrenamtliche überhaupt noch machbar?“. Weiter ging es in seiner Rede über den Aufbau der Krad-Staffel in Sendling. „Ausgebildet habe ich sie selber nicht.“ so Saller. „Das ist immer das Schöne am Kommandanten, der sagt: ich habe da eine Idee. Und dann muss man auf Leute treffen, die so engagiert sind und sagen: aus der Idee machen wir etwas! Da bin ich von den Sendlingern noch nie enttäuscht worden“.

Den Abschluss machte Sebastian Meusel, der Vorstand des Fördervereins „Freunde der Freiwilligen Feuerwehr in Sendling e.V.“. „Warum braucht es den Förderverein überhaupt?“, fragte die Moderatorin Margarethe Stadlbauer den Chef des Vereins. „Ganz einfach“, meinte Meusel, „die städtischen Mittel waren nicht immer so gut vorhanden wie heute.“ Somit könne der Verein nützliche Unterstützung leisten und auch Brauchtum und Tradition fördern. Zum Ende hin leitete Meusel über zum weiteren Tagesprogramm und den besonderen Höhepunkten für die Besucher.

Von und für Jugendliche: die JF München Süd präsentiert ihr Können

Auf der Aktionswiese wurde von den Jugendlichen ein kompletter Löschaufbau demonstriert, wie er standardmäßig auch von erwachsenen Feuerwehrlern für den Einsatz trainiert wird. Der gezeigte Ablauf – hier durch die hochsommerliche Hitze unter erschwerten Bedingungen – ist Teil der Deutschen Jugendleistungsspange und muss fehlerfrei in möglichst kurzer Zeit absolviert werden.

Alles lief wie am Schnürchen, sodass nach kürzester Zeit bereits alle Löschrohre aufgebaut und „Feuer aus!“ gemeldet werden konnte. Der Applaus der zahlreichen Zuschauer war der Lohn für die gelungene Präsentation der Jugendfeuerwehr München.

Darüber hinaus konnten Kinder und Jugendliche aber auch selber aktiv werden. Einerseits an einer Feuerwehr-Spritzwand, die besonders bei den ganz kleinen Feuerwehr-Fans sehr beliebt war. Bei großer Hitze mit Wasser spritzen – was gibt es Schöneres?

Die juggebliebenen Erwachsenen konnten auch mit Wasser spritzen, allerdings auf ein echtes Feuer mit einem Wasserlöscher und damit das eigene Wissen beim Gebrauch von Feuerlöschern auffrischen. 

Langweilig wurde es für Familien mit Kindern nie. Dafür sorgen viele weitere Spielmöglichkeiten, die als „Feuerwehrprüfung“ absolviert werden konnten. Natürlich bot sich auch die Gelegenheit, ein echtes Feuerwehrauto einmal von innen zu erleben und Fragen an Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen zu stellen.

Alles über Feuerwehr und die Abteilung Sendling

Eine wichtige Anlaufstelle auf dem Festgelände war der Informations-Pavillon. Alles rund um die Freiwillige Feuerwehr und die Abteilung Sendling, über die IuK-Einheit sowie die Jugendfeuerwehr war hier zu erfahren.

Besonders groß war der Andrang bei den ausgestellten Fahrzeugen wie beim Sendlinger Hilfeleistungslöschfahrzeug, das sich mit geöffneten Geräteräumen präsentierte. Als Besonderheit dabei war auch eines der Sendlinger Feuerwehr-Motorräder, das sonst bei Großveranstaltungen und Großschadenslagen als Lotse und Melder unentbehrliche Aufgaben erledigt. Ein Erinnerungsfoto, auf dem Motorrad sitzend, war bei Groß und Klein sehr gefragt.

Dach weg, Menschenrettung: Einsatzübung THL

Allen, die lieber Action mögen, wurde im stündlichen Wechsel ein Feuerwehr-Übungseinsatz vorgeführt. „THL“ steht für Technische Hilfeleistung und umfasst ein großes Spektrum an Aufgaben und Tätigkeiten bei der Arbeit mit technischem Gerät zum Beispiel bei Verkehrsunfällen. Gezeigt wurde die Technische Hilfeleistung beispielhaft an einer achsengerechten Personenrettung aus einem verunfallten Auto.

Der Übungseinsatz wurde demonstriert vom Anruf bei der Feuerwehr, der in der Integrierten Leistelle entgegengenommen wird, über die Alarmierung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, dem Ausrücken mit dem Feuerwehr-Fahrzeug, bis hin zum Eintreffen am gespielten Unfallort.

„Achsengerechte Rettung“ bedeutete in diesem Fall, dass von dem Pkw zum Beispiel das Dach abgeschnitten werden musste, um die Person möglichst schonend aus dem Fahrzeug zu befreien. Schwere Geräte wie ein hydraulisches Schneidgerät kamen zum Einsatz, deren Bedienung in der Einsatzkleidung und mit Helm und Handschuhen bei der Sommerhitze besonders schweißtreibend war.

Am Ende waren alle Verletzten gerettet und die Unfallstelle wurde wieder geräumt – für die nächste Vorführung. Co-Moderator bei den Vorführungen war Arne Sties, der alle Fragen der Moderatorin mit langjähriger Feuerwehrerfahrung beantworten konnte.

Auch Oltimer-Fans kamen auf ihre Kosten

Neben viel moderner Technik war auch der historische Bezug der Veranstaltung gut sichtbar. Einerseits durch eine historische Ausstellung des Feuerwehr-Sammlers Andreas Abend, andererseits durch eine Reihe von Feuerwehr-Oldtimern, die sich unterhalb des Rosengartens aufreihten.

Oldtimer bedeutet dabei nicht per se, dass es sich dabei um ausrangierte Fahrzeuge handeln muss, die aus einem Feuerwehrmuseum stammen. Ein gutes Beispiel dafür ist das ehemalige Löschgruppenfahrzeug LF 16 der Abteilung Sendling.

Das Fahrzeug hat zwar bereits fast 30 Jahre auf dem Buckel, fährt aber nach einem umfangreichen Umbau seit 2011 in der FF Bayersried-Ursberg-Premach weiterhin Einsätze als erstes Löschfahrzeug. Unverwüstliche Feuerwehrtechnik macht's möglich. Die Feuerwehrkolleginnen und Feuerwehrkollegen freuten sich so über die Einladung, dass sie gleich in voller Mannschaftsstärke auf der Oldtimer-Ausstellung des Jubiläums-Sommerfestes erschienen.

Markus Zawadke, unter anderem Organisator der großen Feuerwehr-Fahrzeugparade 2016 auf der Ludwigstraße, war mit einem Magirus Löschgruppenfahrzeug vor Ort, das in Feuerwehrkreisen als „Korea LF“ Bekanntheit erlangte. Auch dieses Fahrzeug hatte Sendling-Bezug, weil dieser Fahrzeug-Typ in den 1970er- und 1980er-Jahren ebenfalls in der Abteilung Sendling bzw. deren Vorläuferorganisation seinen Dienst verrichtete.

Das Tanklöschfahrzeug TLF 8 auf einem Unimog-Fahrgestell war ebenfalls eine Besonderheit in der Reihe der Oldtimer. Otto Bußjäger, passionierter Feuerwehr-Oltimersammler, ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls mit von der Partie zu sein. Auch dieser Fahrzeugtyp fuhr früher einmal in Sendling Einsätze.

Die Abteilung Harthof der FF München schickte ein Magirus Tanklöschfahrzeug in den Westpark. Der Feuerwehr-Oltimer ist nur einer von Dreien der Abteilung, neben einem Zubringerlöschfahrzeug ZB6 und einer historischen Drehleiter.

Apropos Drehleiter: wenn ein Kind ein Feuerwehrauto malt, hat das oft die Form einer Drehleiter. Dieser markante Fahrzeugtyp durfte deshalb in dem „historischen Feuerwehr-Zug“ natürlich nicht fehlen. Eines der verbliebenen Exemplare ist die Mercedes Benz Drehleiter von 1972 des Vereins „Feuerwehr Oldtimer Haar e.V.“. Das Fahrzeug ergänzte den Oldtimer-Reigen und bot besondere Einblicke in die Drehleitertechnik von früher.

Flammen züngeln und schwarzer Rauch steigt auf

Richtig eingeheizt wurde allen Beteiligten bei den Einsatzvorführungen, die verschiedene Brandszenarien darstellten. Was ist zu tun, wenn ein Papierkorb im Westpark brennt? Und wie reagiert man richtig, wenn sich in der Küche heißes Fett oder Öl entzündet und zu brennen beginnt? Die Fragen wurden nicht nur beantwortet, sondern auch die richtige Reaktion anschaulich demonstriert.

Offensichtlich keine eigenen Löschversuche mehr unternehmen konnte man bei dem gezeigten Fahrzeugbrand zum Schluss der Vorführung. Dichter, schwarzer Rauch stieg auf, Flammen schlugen aus dem Motorraum. Deshalb hieß es: mit der 112 die Feuerwehr rufen! Kein Problem für die Feuerwehr Sendling, die mit einem Löschfahrzeug anrückte und das Feuer mit mehreren Löschrohren in kurzer Zeit erfolgreich bekämpfte.

Was imposant und gefährlich aussah, wurde in Wirklichkeit durch pyrotechnische Effekte dargestellt. Matthias Wolf, einer der Spezialisten in Sachen Pyrotechnik in der FF München, zeigte mit dem dargestellten Fahrzeugbrand gleich eine ganze Reihe an verschiedenen Effekten, die für die Zuschauer äußerst realistisch wirkten.

Zum Abschluss ein Hochfeuerwerk mit einer brennenden „150“

Nachdem alle Info-Stände weggeräumt und alle Oldtimer bereits wieder in ihre Heimatgaragen gefahren waren, erwartete die Besucher noch ein besonderes Highlight am Abend. Das Hochfeuerwerk, veranstaltet vom Wirtshaus am Rosengarten, konnten mehrere tausend Besucher entspannt auf den Wiesen des Westparks rund um den Rosengarten genießen.

Für die Abteilung Sendling war das Feuerwerk nicht nur krönender Abschluss eines langen Veranstaltungstages. Die Einsatzkräfte übernahmen mit mehreren Löschfahrzeugen und mobilen Löschtrupps den Brandschutz am Abbrandplatz und in der näheren Umgebung.

Gemeinsam mit einer Laser-Show und musiksynchron war der Münchner Himmel noch einmal für 25 Minuten hell erleuchtet. Genauso hell, wie der zweieinhalb Meter hohe, brennende „150“-Schriftzug zum Schluss des Feuerwerks. Er war über weite Teile des Westparks hinweg mehrere Minuten lang sichtbar und ließ die Veranstaltung außergewöhnlich zu Ende gehen.

Zum Starten des Videos auf das Bild klicken

Danke!

Unser Dank gilt vor allem den Angehörigen der Abteilung Sendling mit dem Festkomitee sowie der Jugendfeuerwehr München Süd, die mit ihrem Einsatz und Engagement dieses Fest erst ermöglicht haben. Danke auch an alle freiwilligen Helfer innerhalb und außerhalb der Feuerwehr, die teils spontan eingesprungen sind und super unterstützt haben. Ohne euch hätte das nicht geklappt!

Vielen Dank auch an die Feuerwehrfreunde und Kollegen, die mit ihren Oldtimern teils weite Wege auf sich genommen haben, um der Veranstaltung den entsprechenden historischen Rahmen zu geben.

Ein „Vergelt's Gott“ auch für unsere Moderatorin Margarethe Stadlbauer, die über Stunden hinweg professionell die Moderation übernahm und auf so manche Unwägbarkeiten immer gelassen reagierte.

Danke sagen möchten wir auch dem Wirtshaus am Rosengarten und seinem Wirt Gerhard Rieder. So hatte unser Jubiläums-Sommerfest den passenden Rahmen, wir mussten uns nicht um Bühne und Bewirtung kümmern und hatten mit dem Feuerwerk auch für uns einen tollen Veranstaltungsabschluss.

Apropos Feuerwerk: Danke auch an Swat Pyrotechnik, der uns die feurige „150“ passend zu 150 Jahre Feuerwehr Sendling spendiert hat!